Harry Styles hat ein neues Album veröffentlicht, Fans und Medien überschlagen sich vor Begeisterung. Weltweit. Keine Angst, ich werde hier nicht erzählen, wie ich es finde. Was mich bewegt, ist vielmehr die Frage, weshalb er als einziger seiner früheren Band One Direction zum Weltstar wurde, wogegen man sich an die anderen vier kaum mehr erinnert. 

Solche Beispiele gibt es einige. Robbie Williams etwa, einst mit Take That erfolgreich. Ja, die anderen Bandmitglieder sind nicht gänzlich vergessen. Aber ein Weltstar ist nur der Robbie geworden. Lionel Richie, einst als Saxofonist bei den Commodores gestartet. Wer kann heute noch die restlichen Bandmitglieder aufzählen? Diana Ross begann ihre Karriere bei den Supremes. Wie hießen ihre beiden Mitsängerinnen?

In der mir eigenen Naivität habe ich gedacht, dass all diese Musiker doch bei Null starten, also die gleichen Grundvoraussetzungen haben. Das aber ist ein Irrtum. Wie in jeder Gruppe gibt es lautere und leisere Menschen, welche mit viel Charisma und welche mit geringerem. Mit viel Ehrgeiz und mit wenigem. Grundlagen, die sie als Kinder und Jugendliche entwickelten. Sie starteten nicht alle bei Null.

Dieses Thema kennen wir auch aus dem Arbeitsleben. Weshalb sticht die eine oder der andere aus einem Team oder einer Abteilung hervor? Entwickelt sich in eine Führungsposition und glänzt dort. Wird sogar abgeworben.

Und ich bin auch Menschen begegnet, die gerne Karriere gemacht hätten. Aber die Voraussetzungen nicht mitbrachten. Ihnen fehlte beispielweise Charisma, sie füllten nicht den Raum. Versuchten, das mit übertriebenem Ehrgeiz wettzumachen, was aber auf wenig Gegenliebe stieß. Oder mit Anbiederung nach oben hin. Oder mit Arbeiten bis in die späten Abendstunden. Oder mit Lautstärke. Sie werden solche Personen kennen.

Zurück zum Pop: Ein häufiges Problem ist der Umgang mit dem plötzlichen Ruhm. Mancher verkraftet den, andere versinken z. B. im Drogensumpf. Wir kennen den Klub 27, in dem die Popstars versammelt sind, die bereits mit 27 Jahren verstarben. Amy Winehouse, Kurt Cobain und Jimi Hendrix zum Beispiel. 

Diesen Jungstars, diesen Überfliegern im Berufsleben bin ich einige Male begegnet. Und habe gesehen, wie mancher vielleicht schon die berufliche Reife besaß, aber lange noch nicht die menschliche. Weshalb sich der erste Burnout bereits mit 27 Jahren meldete und die Karriere bereits endete.

Ja, es tut weh, wenn man gerne weiter nach oben möchte, aber das nicht gelingt. Vielleicht ist es jedoch gesünder, das zu akzeptieren und einen anderen Weg zu finden. 

Ich denke, auch Zayn Malik (One Direction), Jason Orange (Take That), Ronald LaPread (Commodores) und Scherrie Payne (Supremes) haben ihren Weg gefunden.