Soziale Medien zeigen uns nicht zufällig Inhalte. Die Algorithmen dahinter sorgen gezielt dafür, dass wir Beiträge sehen, die unsere Ansichten bestätigen. Denn Zustimmung ist angenehm. Sie hält uns auf der Plattform.
Die Folge ist, dass sich jeder in seinen Ansichten und Positionen bestärkt sieht und verhärtet. Alternative Gedanken, Abwägungen und Infragestellungen werden beiseite gewischt. Diese zunehmende Polarisierung spüren wir alle.
Aufforderungen an die beteiligten Tech-Konzerne, doch die Algorithmen zu ändern, haben diese stets abgelehnt. Auch mit Hinweis auf Studien, die ergaben, dass solche Veränderungen keine Auswirkung haben. Verschwiegen wurde da gerne, dass die Konzerne selbst bei solchen Untersuchungen mitarbeiteten.
Nun hat eine Studie der TU Dresden, des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der Kopenhagener Universität ergeben, dass Modifizierungen im Algorithmus doch positive Auswirkungen besitzen. Die Forscher mischten in die Newsfeeds von Probanden verschiedene Perspektiven und ergänzende Fakten.
Es zeigte sich, dass die Probanden in der Folge nicht mehr so festgefahren in ihrer Bubble saßen, sondern für differenziertere Meinungen offen waren. So konnten Polarisierungen aufgeweicht werden. Nicht bei jedem, aber bei vielen.
Jason Burton, einer der dänischen Forscher, hat deshalb eine Art „App-Store“ für Algorithmen angeregt. Nicht mehr der Anbieter definiert den Algorithmus. Sondern der Nutzer kann aus einer Vielzahl von Algorithmen den selbst auswählen, nach dem ihm gerade ist.
- Mehr Vielfalt
- Mehr Gegenpositionen
- Mehr Fakten
- Reine Unterhaltung
Das wäre ein fundamentaler Wandel. Das Problem ist erkannt, eine Lösung definiert, jetzt müssen die Betreiber sogenannter sozialer Medien nur noch wollen.
Apropos Polarisierung: Die Agentur Pollytix Strategic Research hat Bundesbürger gefragt, wie sich ihr Urlaubsverhalten verändert, sollte im Herbst die AfD die Landtagswahl gewinnen und den Ministerpräsidenten stellen. 35 % würden dann auf einen Urlaub in MVP verzichten, elf Prozent gerade deshalb kommen.
Differenziert nach Parteien: 75 % der Grünen-Wähler würde das vom Urlaub im Nordosten abhalten, 63 % der Linken-Sympathisanten, 59 % der SPD-Wähler und 40 % der CDU-Wähler. 36 % der bekennenden AfD-Sympathisanten hingegen würde das Wahlergebnis zu einem Urlaub zwischen Boltenhagen und Usedom motivieren.
Urlaubsziele nach politischen Kriterien zu bestimmen, kenne ich bezüglich z. B. China, der Türkei oder verstärkt der USA. Doch nun auch vielleicht innerhalb Deutschlands.
