Wer das WM-Spiel der Norweger gegen die Brasilianer gesehen hat, diese Leidenschaft, diesen Willen und nicht zuletzt dieses wunderbare Rudern mit den Fans nach dem gewonnenen Spiel, der spürte es: Die Norweger brannten für die Herausforderung gegen den fünfmaligen Weltmeister.
Und genau das ist es, was Unternehmen bei Bewerbern spüren wollen, dieses Brennen für die Aufgabe. Natürlich ist das nicht in allen Jobs möglich. Manche sind so monoton oder standardisiert, für die ist Leidenschaft schwer vorstellbar. Doch für viele ist sie Voraussetzung.
Wenn ich Bewerber frage, weshalb sie sich für eine meiner Vakanzen interessieren, dann kommt oft dieses Brennen durch. Ein Vertriebsgebiet neu aufbauen, eine Abteilung weiterentwickeln, einen Auslandsmarkt erobern. Das sind Ziele, die Leidenschaft erfordern.
Leider gibt es auch die nüchternen Pragmatiker. „Das spart mir jeden Tag eine Dreiviertelstunde Fahrtzeit“ und ähnliche Begründungen habe ich des Öfteren gehört. So berechtigt dieser Wunsch sein mag, so wenig ist er die Basis für Erfolg im Beruf. Da muss mehr vorhanden sein.
Diese Leidenschaft zu entfesseln, würde man sich ja auch von der politischen Führung wünschen. Ich will nicht darüber urteilen, wie gut das letzte Woche beschlossene Reformpaket der Regierung ist. Was ich mir gewünscht hätte, ist, dass Merz & Co. dieses Paket mit einer Leidenschaft kommuniziert hätten, dass ein Teil derer, die aus Unzufriedenheit blau wählen wollen, davon Abstand genommen hätte. Weil sie bemerkt hätten, dass sich in Berlin was dreht, dass Probleme erkannt und gelöst werden.
Claudius Seidl hat sich in der „Süddeutschen“ ein „paar starke, pointierte Sätze“ vom Kanzler gewünscht, „ohne Pathos, aber mit Empathie“. Das klingt nach machbar, ist aber nicht passiert. Da träumt man von Menschenfängern wie Willy Brandt, Barack Obama oder Papst Franziskus. Oder fragt sich, wie Steve Jobs so ein Ergebnis präsentiert hätte.
Diese Kritik gilt laut des Headhunters Heiner Thorborg auch für Topmanager, wie er im „manager magazin“ verriet: „…ich gehe davon aus, dass 80 Prozent der Manager in den oberen Konzernetagen narzisstisch veranlagt sind. Die interessieren sich nicht für die Menschen um sie herum, die ziehen ihr Ding durch …Egomanen verfügen nicht über Empathie, oder die ist nur vorgetäuscht. Ohne kann man aber kein erfolgreiches Team bauen.“
Ach, wäre das schön, wenn wir alle, Politiker, Firmenlenker und Arbeitnehmer, jeden Feierabend am liebsten vor Begeisterung so rudern würden wie Norwegens Fußballer und ihre Fans.
