Ich war am Sonntag auf einer Job-Messe, als Begleiter. Meine Erwartungen waren gering. Ich habe schon viele und unterschiedliche Messen besucht. Buchmessen, Spielwarenmessen, Tourismusmessen, Automessen, IT-Messen, Bildungsmessen, Jobmessen. Manche legen den Schwerpunkt auf B2B und nehmen das normale Publikum als Beifang mit. Andere sind reine B2C Messen. Und manche wissen nicht genau, was sie wollen.
Diesen Eindruck bekam ich des Öfteren auch bei den Standbesatzungen. Sie saßen oder standen zwar zwischen Mobiliar und Prospekten, was genau sie dort aber sollten, hatte ihnen leider niemand gesagt. Ich war letztes Jahr auf einer IT-Messe und erstaunt, dass die Mehrzahl der Standbesetzungen beharrlich ins Handy schaute oder in private Gespräche vertieft war. Schade um die Standgebühr.
Ganz anders am Sonntag. Gut, schon der Veranstaltungsort hob sich ab. Keine seelenlose Messehalle, sondern ein altes Werftgebäude am Rande der Lübecker Altstadt, die Kulturwerft Gollan. Gut gestaltete Stände der wohl 110 Aussteller, keiner überdimensioniert, keiner zu klein, alle gut ausgeleuchtet, kein Mitarbeiter stand vor einem und biss gerade in sein Leberwurstbrötchen.
Die Messe richtete sich nicht nur, aber in erster Linie an Schulabgänger und Berufseinsteiger. Entsprechend sah man auf vielen Ständen eine gute Mischung auf jungen und älteren Mitarbeitern. Und durch die Bank waren die sehr freundlich, grüßten, selbst wenn man nicht stehenblieb, erklärten auf Wunsch gerne die jeweilige Firma und erläuterten die Jobs.
Man spürte den Wunsch, aus lose Interessierten ernsthafte Kandidaten zu machen. Da, wo ein Duales Studium möglich ist, wurde dieses schnell mitsamt des Nettogehaltes erwähnt. Und auch sonst blieben keine Vorteile unerwähnt. Natürlich gab es auch Goodies, vom Kugelschreiber über den Müsliriegel bis hin zur Zuckerwatte. Aber kein Aussteller übertrieb. Prospektsammler hatten Pech, das gedruckte Infomaterial war überschaubar, was ich gut finde. Erstens spart das Geld, zweitens ist es nachhaltiger und drittens reicht der Haupt-Zielgruppe ein Link oder Scan-Code, um sich daheim zu informieren.
Und so dominierten an den Ständen die persönlichen Gespräche. Die Aussteller hatten Bock darauf, das merkte man, sie engagierten sich sehr. Ich vermute, dass sie viele Besucher zumindest neugierig gemacht haben. Hier hatten sich Menschen vorher überlegt, was das Ziel ihres Messeauftritts ist. Und wen sie als Firmenrepräsentanten dahinschicken. Entsprechend dankbar und motiviert wirkten auf mich auch die Besucher der Generationen Z und Alpha.
Als ich des einst noch zu den Messeausstellern gehörte, wurde immer wieder diskutiert, ob sich die jeweilige Messe rechnet. Diese Frage blieb immer unbeantwortet. Ich wünsche mir, dass die Aussteller vom Wochenende sie bejahen können.