Die dänische Tageszeitung Politiken berichtet heute von einem neuen KI-Angebot an Buchverlage. Von der dänischen Firma Bogintra kann man ein Buchmanuskript einlesen lassen. Daraus entwickelt deren KI dann einen Fragenkatalog für ein Interview. Im nächsten Schritt chatten Autorin oder Autor mit der KI und beantworten die Fragen. Und fertig ist das Interview. Das kann der Verlag nun überall platzieren und so Buch und Autor zu größerer Präsenz und möglicherweise Erfolg verhelfen.
Auf diese Weise müssen Autor und Verlag nicht darauf warten, dass sich ein Journalist meldet und ein Interview führen möchte. Gerade unbekannten Verfassern bietet sich somit die Möglichkeit, überhaupt interviewt zu werden und für ihr Werk zu werben.
Eine Gefahr, dass sich die Fragen bei jedem Buch und Autor doch sehr ähneln, sieht Bogintra-Inhaber Kasper Nielsen nicht. Er garantiert eine hohe Individualität.
Das ist die Idee. Die große Buchhandelskette bog&idé lehnt laut Politiken zwar per KI generierte Bücher ab, nicht aber so erstellte Interviews. Diese bewertet man als Marketingunterstützung und Entscheidungshilfe für potenzielle Leser. Deshalb will man sie im Webshop veröffentlichen.
Die großen dänischen Verlage hingegen lehnen diese Art Unterstützung ab. Bücher wie Interviews sollen auch weiterhin nur von Menschen geschaffen werden, so die einhellige Meinung.
Das verwendete Modul erzeugt zusätzliches Misstrauen. Es stammt von Google und laut dessen Geschäftsbedingungen würden die eingelesenen Manuskripte nicht für das KI-Training weiterverwendet. So Bogintra. Doch die Verlage glauben nicht so recht daran, denn dass große KI-Anbieter Bücher bereits illegal zu Trainingszwecken nutzen, ist hinlänglich bekannt und beschäftigt Gerichte. Und auch in diesem Fall können sie eine eventuelle Weiterverwendung nicht kontrollieren. Ebensowenig wie Kasper Nielsen.
Politiken zitiert allerdings auch einen Autor, der das KI-Interview einmal ausprobieren möchte. Vielleicht führe es doch zum Erfolg.
Bleibt er der Einzige? Wie reagieren Verlage, wenn einzelne Autoren doch so ein KI-Interview führen möchten? Und was sagen die Kulturjournalisten eigentlich dazu? Hält die Brandmauer?
