Eine Waffe namens Firmenwagen

Autobahn, linke Spur. Ich erblickte ihn schon von weitem im Rückspiegel. Er näherte sich in rasender Geschwindigkeit, die Lichthupe blendete pausenlos auf. Die Wagen hinter mir wechselten schnell nach rechts. Ich ließ den Verrückten ebenfalls durch. Gerade noch konnte ich sehen, dass an der Seite Werbung angebracht war. Es handelte sich um keines der mir bekannten Logos. Mehr konnte ich nicht erblicken.

Weiter vorn setzte der Fahrer seine Fahrt unverändert fort. Ob der seiner Firma damit einen Gefallen tut, fragte ich mich. Sympathiepunkte sammelte er damit jedenfalls nicht. Plötzlich erblickte ich ihn wieder. Mit eingeschaltetem Warnblinker stand er auf der Standspur. Endlich konnte ich die Firmenangabe auf dem Wagen lesen. Ein Unternehmen aus dem Ruhrgebiet im Bereich Beauty.

War ihm vom eigenen Fahrstil übel geworden? Oder hatte sich der Tank schneller geleert als prognostiziert? Oder war er angerufen worden, die Freisprechanlage aber nicht aktiviert? Ich werde es nie erfahren. 

Menschen im Außendienst sind immer Visitenkarten ihres Unternehmens. Auch im Dienstwagen. Wer in dem den rasenden Rambo spielt, erzeugt Antipathien auch in Richtung seines Arbeitgebers. Das ist vielen anscheinend nicht bewusst. Oder egal.

Vor Ausbruch der Pandemie hatte ich ja den Eindruck, dass der Firmenwagen ein Auslaufmodell ist. Ich habe im Laufe der Jahre viele Vertriebsvakanzen besetzt, und zu der Zeit wählten die Bewerber lieber mehr Geld statt Auto. Oder empfanden es völlig ausreichend, sich bei Bedarf einen Poolwagen vom Firmenhof zu nehmen.

Das hat sich geändert, die Nachfrage nach einem Wagen im Gehaltspaket nimmt wieder zu. Manche äußern sich sehr selbstbewusst: „Das sage ich Ihnen gleich, unter einem A6 läuft nichts.“ Andere sind auch mit günstigeren Ausstattungen zufrieden.

Woran mag das liegen? Ich weiß es nicht. Vielleicht ist es der gesamte Kostenblock, den man in unsicheren Zeiten lieber beim Arbeitgeber belässt und sich mit der prozentualen Versteuerung zufriedengibt. Vielleicht aber auch, weil man sich ein so teures Auto selbst nicht leisten könnte.

Es gibt bekanntlich Unternehmen, die das Unternehmen als Motivationsturbo nutzen, „Waffe“ wäre hier nicht angebracht. Sie überprüfen regelmäßig die Umsätze eines Außendienstlers, und dann bleibt es vielleicht beim aktuellen Wagen. Oder es gibt ein kleineres Modell. Oder ein größeres. Je nach Umsatzkurve. Was dann wohl die Nachbarn denken?

Den eigenen Umsatz kann man beeinflussen, den eigenen Fahrtstil ebenfalls. Wenn letzterer zu aggressiv ausfällt und das auf das Unternehmen zurückfällt, dann sollte man schnellstens umdenken. Sonst ist es mit der Karriere vorbei und man endet z. B. als Fart Scrubber.

Sie wissen nicht, was das ist? In einem der großartigen Podcasts von „Kalk und Welk“ lernte ich diesen Beruf kürzlich kennen. Als einst in Hollywood viele Western gedreht wurden, hatte der Fart Scrubber die Aufgabe, bei Pferdeszenen die Furzgeräusche der Pferde aus der Tonspur zu kratzen.