„Ja genau“, werden jetzt einige HR-Verantwortliche sagen, wenn sie auf das obige Foto schauen. Diesen Button fand ich auf der Stellenbörse eines mittelständischen Betriebes. „Bitte erst lesen, dann kontaktieren“, werden jetzt umgekehrt so manche Fach- und Führungskräfte denken, die z. B. von Personalberatern auf Jobs angesprochen wurden, die so gar nicht zu ihnen passten. Wie kommt’s? Ach, die Gründe sind vielschichtig. Da erhalten Firmen Bewerbungen, die wenig mit der ausgelobten Stelle zu tun haben. Aber der Bewerber wohnt z. B. in der Nähe, über einen kurzen Weg zur Arbeit würde er sich freuen. Oder das genannte Gehalt hat die Bewerberin motiviert. Nun gut, das ein oder andere Geforderte erfüllt sie nicht ganz, aber das tut doch eh keiner. Vielleicht ist es aber auch einfach die Verzweiflung. Trotz guter Ausbildung hat jemand auch nach der 80. Bewerbung keinen Job, vielleicht noch nicht einmal eine Eingangsbestätigung erhalten oder eine nichtssagende Absage oder die Brechreiz-Begründung, dass man leider überqualifiziert sei. Dann, ja dann bewirbt man sich auch auf Vakanzen, für die man die eigene Eignung selbst anzweifelt. Es kann aber auch eine Frage der kulturellen Herkunft sein. Ich durfte einmal für ein deutsches Unternehmen, das in ein osteuropäisches Land expandieren wollte, Mitarbeiter suchen. Diese sollten zwar aktuell in Deutschland arbeiten, aber ursprünglich aus besagtem Land stammen. Und bereit sein, wieder dorthin zurückzuziehen. Auf Wunsch des Unternehmens wurden die Vakanzen auch in Stellenbörsen ausgeschrieben, ich wurde als Kontaktperson benannt. Interessierte riefen an, bezogen sich auf die jeweilige Tätigkeit und fragten schließlich: „Was muss ich da tun? Welche Ausbildung brauche ich?“ Meine Antwort war, das stünde alles in der Ausschreibung. So sei z. B. ein BWL-Studium mit Schwerpunkt Logistik die Grundlage. Die Antwort: „Habe ich nicht, kann ich lernen.“ Anfangs fand ich das noch lustig. Nach dem 33. Anruf nicht mehr. Aber auch Arbeitnehmer fragen sich zuweilen, warum und wieso ein Personalberater denn gerade auf sie gekommen ist. Der Grund: Weil er nicht richtig gelesen hat. Ich bekomme z. B. des Öfteren Angebote, als SAP-Experte oder Controller tätig zu werden. Nicht wirklich meine Kernkompetenzen, abgesehen davon bin ich selbst Personalberater. Aber: Ich habe solche Personen selbst vor einiger Zeit gesucht. Und bin deshalb wohl in irgendeine Datenbank gerutscht, in der die automatisierte Ansprache mich Supertalent entdeckt hat. Was die guten Berater von den weniger guten im Übrigen unterscheidet, ist, dass erstere zwar manchmal verzweifelt sind, weil partout keine geeigneten, wechselbereiten Kandidaten zu finden sind. Aber sie lassen sich von dieser Verzweiflung nicht dazu verführen, unverkennbar mit einem ungeeigneten Profil behaftete Personen anzusprechen oder gar vorzuschlagen.
