Mein Ärger begann mit einem ebenso traurigen wie dramatischem Thema, aber er endete damit nicht. 

Vor kurzem las ich in der Norderstedt-Ausgabe des Hamburger Abendblatts: „Etliche Dorfbürgermeister geben ihr Amt auf.“ Das ist eine dramatische Entwicklung, die nicht nur in Deutschland stattfindet. Es kommt zu immer mehr Anfeindungen und Bedrohungen, zu körperlicher Gewalt bis hin zum Mord (Walter Lübke). Wenn Menschen sich aus Angst nicht mehr engagieren, dann ist das für eine Demokratie gefährlich. 

Die ausufernde Bürokratie macht den „Dorfbürgermeistern“ das Leben zusätzlich schwer, war zu lesen. Doch der Geschäftsführer des schleswig-holsteinischen Gemeindetages hatte eine Lösung. Diese Arbeit könne eigentlich nur noch von Rentnern oder Freiberuflern und Selbstständigen geleistet werden.

Das musste ich zweimal lesen. Rentner, Freiberufler, Selbstständige. Was verbindet sie? Zu viel Geld? Zu viel Zeit? Bei Rentnern kenne ich mich nicht aus, aber von welchen Freiberuflern und Selbständigen spricht der Mann?

Von der Sängerin, die während Corona nicht auftreten durfte und ihre Ersparnisse aufgebraucht hat? Von dem Gastronomenpaar, das sein Lokal während der Pandemie geschlossen hatte, inzwischen Coronahilfen zurückzahlen musste und nun die Konsumzurückhaltung der Gäste spürt? Von dem Steuerberater, der keine Fachkräfte findet und abends noch selbst am PC Buchungen und Bilanzen erstellt? Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Und die sollen jetzt auch noch Dorfbürgermeister werden?

Selbständig/Freiberufler = viel Geld + viel Zeit. Ich finde diese Gleichung schon abenteuerlich. Gewiss gibt es Selbständige, die gutes Geld verdienen. Aber auch genügend, die genau das nicht tun. Die sich von Quartal zu Quartal quälen. Ebenso wie es Angestellte und Beamte gibt, die für ihr Geld schwer schuften müssen, während andere für ihre Leistung und Einsatzbereitschaft deutlich überbezahlt sind.

Es ist schon erstaunlich, was manche Menschen so raushauen und dabei mit Klischees und Vorurteilen agieren. Manchmal hilft Nachdenken. 

Bemerkenswert fand ich auch eine Notiz aus dem Abendblatt wenige Tage später. Da war ein bulgarischer Einbrecher auf frischer Tat ertappt worden und flüchtete durch einen Sprung aus dem Fenster. Dabei brach er sich einen Knöchel. Die Polizei brachte ihn ins Krankenhaus. Dort erhielt er zudem „die Aufforderung zu einer erkennungsdienstlichen Behandlung im Polizeipräsidium. Die Polizei hofft, dass der Mann dieser nachkommt.“ 

Tja, die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt, ob bei Einbrechern oder Dorfbürgermeisterkandidaten.