Zu den Kriterien, die zur Aussortierung eines Bewerbers führen, gehören auch solche, die ich nur schwerlich nachvollziehen kann. Dazu gehört, dass Leuten abgesagt wird, weil sie zwar eine ähnliche Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben, aber eben nicht exakt die geforderte. 

In manchen Berufen kann ich das sehr gut verstehen. Und bei anderen frage ich mich, weshalb die Firma nicht auf die Idee kommt, denjenigen umzuschulen. Die Voraussetzungen sind gegeben.

Um ein bekanntes Beispiel zu nehmen: Wer heute Autos zusammenbaut, kann nicht einfach so morgen Panzer zusammenschrauben. Aber er oder sie bringt viele Voraussetzungen mit, das zukünftig zu tun. Und so ist es in anderen Bereichen auch. Nur sehen das HR-Entscheider nicht immer so. 

Das mag teilweise noch zu verschmerzen sein, da die Konjunktur lahmt. Aber wenn sie sich eines Tages erholt und wieder der Fachkräftemangel beklagt wird, weil inzwischen weitere Babyboomer ersatzlos vom Markt verschwunden sind, dann, ja dann sollte man schleunigst umdenken. 

Ähnlich ist der Umgang mit Studierten, die nicht an einer staatlichen Uni, sondern an einer privaten ihren Abschluss gemacht haben. Von ihnen ist zu hören, dass ihr Ansehen auf dem Arbeitsmarkt geringer sei, die Arbeitsplatzsuche sich schwerer gestalte. 

Nun mag mancher glauben, dass Lehrstoff und Personal bei den Privaten schlechter sind. Das kann ich nicht beurteilen, erinnere mich aber, dass während meines Studiums an einer staatlichen Uni die Profs gerne den immer gleichen Stoff Semester für Semester wiederholten.

Und es ist den Studierenden nicht vorzuwerfen, dass sie auf die Privaten ausweichen, wenn der NC für ihr Wunschfach so extrem ist. Dass sie das Studium trotzdem wollen und selbst bezahlen, zeugt eher von Leidenschaft und Willen. Kein Grund, sie ohne Gespräch auszusortieren.

Bleibt das Kriterium der abgebrochenen Ausbildung. In einem Viertel der deutschen Firmen ein K.o.-Kriterium. Andere Firmen sind da gelassener, prüfen die fachlichen Qualifikationen ab und sind bereit, mehr in die Einarbeitung zu investieren.

Einen Abbruch sieht man übrigens oft bei Studierten im CV. Die haben nach zwei Semestern gemerkt, dass sie eine falsche Wahl getroffen haben, und wechseln das Fach. Bei ihnen wie bei den Azubis liegt das oft daran, dass nicht klar genug war, was Ausbildung oder Studium genau beinhalten. Das transparenter zu vermitteln bzw. genauer zu erfragen, wäre eine hilfreiche Maßnahme. Diese Bewerber vorschnell auszusortieren, ist meiner Meinung nach zu kurz gedacht.