Zugegeben, die Überschrift ist nicht sonderlich originell. Doch der abgewandelte IKEA-Slogan macht Sinn, denn ich las jüngst von der Schweden-Schelte eines Uniprofessors. Dick Harrison von der Universität in Lund behauptet in seinem neuen Buch, dass die Schweden immer dümmer werden, weil sie immer weniger lesen. „Sie sind weniger kreativ, weniger nachdenklich, weniger gebildet. Kurz gesagt: dümmer.“
Das schwedische Bildungssystem vernachlässige klassische Bildungsideale sowie die Vermittlung grundlegender Fähigkeiten zum Erwerb von Wissen und Kompetenzen sowie die Fähigkeit, weitgehend fehlerfrei zu schreiben.
Der renommierte und viel gelesene Professor verweist auf eine PISA-Studie aus dem Jahr 2022, laut der jeder vierte schwedische Schüler der 9. Klasse (= Grundschule) das von der OECD festgelegte Mindestniveau im Leseverständnis nicht erreicht hatte.
Harrison: „25 Prozent aller Absolventen der schwedischen Grundschule sind nicht in der Lage, einen normalen Text zu lesen und zu schreiben… Sie können kein Buch lesen und sind nicht in der Lage, sich in der Erwachsenenwelt zurechtzufinden. Sie können Nachrichten nicht verstehen. Sie können nicht zwischen Lüge und Wahrheit unterscheiden und haben große Schwierigkeiten, mit Fragen der Toleranz, Solidarität und Demokratie umzugehen.“
Die traurige Schlussfolgerung: „Heutzutage liest man nicht mehr, weil es langweilig ist. Man schaut fern, scrollt auf dem Bildschirm herum. Wir trivialisieren und ‚tiktokifizieren‘ die Welt… Das betrifft ein Viertel aller Schweden im Alter von 17, 18 und 19 Jahren. Ihre Möglichkeiten, diesen Rückstand aufzuholen, sind recht begrenzt.“ Dabei betont er, dass die Zahlen für alle Schweden gelten, nicht nur für Zuwanderer. Die würden ihren Rückstand vielfach aufholen.
Und wer ist schuld? In Harrisons Augen die Schule durch falsche pädagogische Konzepte. Es müssten das Lesen und das Schreiben wieder gefördert und gefordert werden, das sei ganz entscheidend. Handyverbote in der Schule seien nur symbolische Maßnahmen.
Die nordischen Länder gelten ja als digitale Vorreiter. Gerade in der Bildungspolitik hat man aber vieles überhastet umgesetzt und zieht nun engere Grenzen, z. B. in der Nutzung von KI oder iPads. Das hat für das rückständige Deutschland den Vorteil, manches zu vermeiden, was im Norden falsch gelaufen ist, und rechtzeitig auf einen richtigen Weg abzubiegen.
