Der Arbeitsmarkt ist schon kurios. Da gibt es die Generation 50+, die sich intensiv darüber beklagt, dass sie aus dem Arbeitsmarkt gekegelt wird. Keiner mag sie mehr, keiner will sie mehr. Die Menschen, die von sich sagen, dass sie das Land aufgebaut haben. Und nun Altersdiskriminierung wahrnehmen.
Und es gibt die Gen Z, die sich laut einer iba-Studie wegen ihrer Jugend auf dem Arbeitsmarkt ausgebremst fühlt. Sie übernimmt, nach eigener Einschätzung, bereits viel Verantwortung, Entscheidungen aber behalten sich Ältere vor. Recruiter sortieren sie aus, weil Älteren aus Prinzip höhere Kompetenz zugeschrieben wird.
Dankbarkeit erfährt die Gen Z nicht, stattdessen erlebt sie, dass Gehälter nicht nach Leistung gezahlt werden, sondern nach Betriebszugehörigkeit. Und mit Hinweis auf familiäre Verpflichtungen werden die Gen X und Y bei der Urlaubsplanung bevorzugt. So erleben die, die von sich behaupten, sie seien der Wandel, Altersdiskriminierung.
Jetzt könnte man daraus schließen, dass das Böse zwischen den beiden beschriebenen Blöcken sitzt. Die Böse heißt nach dieser Logik vor allem Gen Y, zwischen 1980 und 1995 geboren. Die schiebt die einen hinten raus und lässt die anderen vorn nicht rein.
Schuld sind immer die anderen. Ach, wenn es doch nur so einfach wäre. Mir herrscht da zu viel Selbstgefälligkeit und Selbstmitleid. Und nach meiner Erfahrung stimmt es in dieser Einfachheit auch nicht. Ich erlebe Firmen, die ganz bewusst Mitt- und Endfünfziger einstellen. Weil sie deren Erfahrung und deren aufgekrempelte Ärmel schätzen. Und die ganz bewusst junge Leute einstellen, um diese gründlich für höhere Aufgaben zu entwickeln.
Die Polarisierung der Gesellschaft nimmt zu, ob z. B. in der Politik oder in der Verteilung der Vermögen. Und auch auf dem Arbeitsmarkt. „Wir haben das Land aufgebaut“ versus „Wir sind der Wandel“. Es wäre hilfreich, von diesen hohen Rossen herunterzukommen und zu begreifen, dass man einander braucht.
Und einen anderen Eindruck möchte ich noch erwähnen: Natürlich existiert teilweise Altersdiskriminierung in beide Richtungen. Doch deren ständige Betonung ist auch ein gern genutztes Instrument. Als Marketinginstrument für Berater und als Entschuldigung für eigene Misserfolge.
