Ich habe mich in den letzten Wochen immer wieder gefragt, wie oft Olaf Scholz wohl aus dem Fenster geschaut und gehadert hat. Da hatte er sich Jahrzehnte durch die Parteihierarchie gearbeitet, war endlich Kanzler geworden. Was hätte er vielleicht alles Positives gestalten können, wenn nicht Putin die Ukraine überfallen hätte und damit neben erhöhten Verteidigungsaufgaben auch Energiekrise und Inflation auslöste. Wie schön hatte es doch Angela Merkel gehabt, nicht immer ruhig, aber doch ohne einen Krieg vor der Haustür.
Und wie oft wird Friedrich Merz gedacht haben und aktuell denken, nun werde ich demnächst Kanzler und kann kaum Schönes gestalten. Muss mich nicht nur mit dem Aggressor Putin auseinandersetzen, sondern auch noch mit dem US-Triumvirat der Demokratiefeinde (Musk, Trump, Vance). Warum ich, warum ist das nicht der von mir ungeliebten Parteifreundin passiert?
Ja, zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort, das werden viele kennen. So auch Polizei, Zoll und Mitarbeiter von Unternehmen wie Ikea und Scania. Sie stellten nämlich Ende Januar auf einer Hamburger Jobmesse aus, um Mitarbeitende zu gewinnen. Und schwupp kam das Kontrollteam der Staatlichen Arbeitsaufsicht um die Ecke und nahm die Personalien der Aussteller auf. Denn diese übten verbotene Sonntagsarbeit aus. Die 60 Aussteller haben laut „Abendblatt“ mittlerweile eine Androhung der Behörde über 30.000 € Geldbuße erhalten. Also auch die Kollegen von Zoll, Polizei und Bundeswehr.
Grundlage sind Gesetze aus den 1960ern. Die Polizeigewerkschaft bezeichnet das Vorgehen der Behörde als „weltfremd“. Die Messe richte sich nicht an Schüler und Studierende, sondern an Menschen, die bereits im Arbeitsleben stehen. Und die hätten montags bis freitags tagsüber keine Zeit für einen Messebesuch. Für die müsse eine solche Messe am Wochenende stattfinden. Der Messeveranstalter berichtet, dass er in anderen Städten für das Hamburger Verhalten nur Kopfschütteln geerntet hat. Ebenso von mir, die beteiligte Behörde hat rein gar nichts vom wirklichen Leben mitbekommen.
Auch im jüngsten Bundestagswahlkampf wurde von allen Parteien Bürokratie-Abbau gefordert. Wie in den 20 Bundestagswahlkämpfen zuvor. Aber auch in diesem Fall signalisierte der Hamburger Senat, so schnell an der strittigen Verordnung nichts ändern zu wollen. Wenn es ein Beispiel für Bürokratie und Unsinn gibt, dann dieses. Aber die Politik nutzt die Chance für einen schnellen Bürokratieabbau nicht. Fordern ist halt einfacher als realisieren.
Als Arbeitnehmer ist man ebenfalls manchmal zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort. Wenn zum Beispiel die Firma, zu der man vor einem Jahr gewechselt ist, plötzlich Entlassungen im großen Stil ankündigt. Oder den Firmenzweig, in dem man seit zwei Jahren arbeitet, an einen Mitbewerber verkauft, der sicherlich nicht alle Mitarbeiter übernimmt.
Manchmal sind Personen gleichzeitig zur richtigen und zur falschen Zeit am richtigen und falschen Ort. Beispiel Nutella. Edeka bietet derzeit das normale Nutella ebenso an wie das pflanzenbasierte. Nur dass der Kilopreis des letzteren doppelt so hoch ist. Da nutzt der eine (Ferrero) das Bedürfnis des anderen (Veganer), ist zur richtigen Zeit am richtigen Ort und füllt sich die Taschen. Und der andere ist zur falschen Zeit am falschen Ort (im übertragenen Sinne) und zahlt dafür richtig drauf.