Möglicherweise haben Sie in den letzten Tagen von Kathleen Krüger gelesen. Die 40-jährige wird im Juli als Sportvorständin des Fußball-Bundesligisten HSV starten. Sie ist damit die erste (!) Frau überhaupt in einer solchen Position. Ein Dammbruch, der längst überfällig war. Es ist zu hoffen, dass sie einen guten Job macht und so möglichst viele Gestrige verstummen.

Eventuell haben Sie in den letzten Wochen auch von Marie-Louis Eta gelesen. Sie wurde im April erste Trainerin eines Bundesligisten. Natürlich meldeten sich auch dort sofort die ganz Schlauen, die wussten, dass eine Frau eine Männermannschaft nicht führen kann. Als Union Berlin die ersten zwei Spiele verlor, war das Wasser auf deren Mühlen. Wohlgemerkt, die Ablehnung bezog sich nicht auf ihr grundsätzliches Können als Trainerin.

Unbekannt wird den meisten Zoe Holstein sein. Die 18-jährige steht gerade bei einer Schweriner Firma im zweiten Jahr ihrer Ausbildung zur Straßenbauerin. Als einzige Frau. Die Leiterin des Ausbildungszentrums kann sich nicht erinnern, dass sie bereits zuvor eine Auszubildende betreut hat. Frau Holstein ist begeistert und empfiehlt diese Ausbildung auch anderen Geschlechtsgenossinnen.

Ebenfalls werden nur wenige Janka Holtz kennen. Sie ist die einzige Kfz-Mechatronikerin in einem Greifswalder Autohaus. Die 22-jährige würde sich freuen, wenn sich noch mehr Frauen für diesen Job interessieren. Und sie macht Hoffnung: „Da wo ich war, wurden Frauen immer respektiert, es gab nie dumme Sprüche.“ So zitiert sie die Ostsee-Zeitung.

Da hat die Dänin Fie Kaaterud andere Erfahrungen gemacht. Sie war früher Handwerkerin und ist heute Studentin. Als Handwerkerin stand sie gerade im Lager einer Kälte-Klima-Firma und räumte das Lager auf, als der neue Chef hereinkam. Er grüßte nicht, stierte sie stattdessen von oben bis unten an und fragte sie, ob sie das alles hinbekomme. Etwas irritiert über sein Verhalten antwortete sie nur mit „Ja“.

Darauf er: „Spiel hier nicht die Schlaue. Du bist nur eingestellt worden, weil du ein hübsches Gesicht und große Brüste hast… Du bist nur hier, um Kunden anzulocken.“ Dass sie bereits einige Jahre Berufserfahrung besaß, ignorierte der Vorgesetzte. Bald darauf kündigte sie, schrieb sie in der Tageszeitung „Politiken“. 

„Auf vielen Baustellen ist es offenbar immer noch 1970“, so Fie Kaateruds Schlussfolgerung. Und Handwerksbetriebe bräuchten sich über Fachkräftemangel nicht zu beklagen, wenn Ausbildung und Können der Frauen nicht anerkannt würden, sondern diese durch Schikane und Sexismus vergrault würden. Mit der Folge, dass junge Frauen diesen Berufsweg gar nicht erst einschlagen.

Zeit, dass sich was dreht.